Montag, November 20, 2006

Concilium Vaticanum Primum


Die Concils-Aula in der St. Peterskirche in Rom während einer Sitzung.
(Aus: Neuer Einsiedler-Kalender 1871)

Die Definition der päpstlichen Unfehlbarkeit

Zur Ehre Gottes, unseres Heilandes, zur Erhöhung der katholischen Religion, zum Heil der christlichen Völker lehren und erklären wir endgültig als von Gott geoffenbarten Glaubenssatz, in treuem Anschluß an die vom Anfang des christlichen Glaubens her erhaltene Überlieferung, unter Zustimung des heiligen Konzils (Vaticanum I):
Wenn der römische Bischof in höchster Lehrgewalt (ex cathedra) spricht, das heißt, wenn er seines Amts als Hirt und Lehrer aller Christen waltend in höchster, apostolischer Amtsgewalt endgültig entscheidet, eine Lehre über Glauben oder Sitten sei von der ganzen Kirche festzuhalten, so besitzt er aufgrund des göttlichen Beistandes, der ihm im heiligen Petrus verheißen ist, jene Unfehlbarkeit, mit der der göttliche Erlöser seine Kirche bei endgültigen Entscheidungen in Glaubens- und Sittenlehren ausgerüstet haben wollte. Diese endgültigen Entscheidungen des römischen Bischofs sind daher aus sich und nicht aufgrund der Zustimmung der Kirche unabänderlich.
Wenn sich jemand - was Gott verhüte - herausnehmen sollte, dieser unserer endgültigen Entscheidung zu widersprechen, so sei er ausgeschlossen.

Nach Neuner-Roos, Der Glaube der Kirche in den Urkunden der Lehrverkündigung, neubearbeitet von Karl Rahner und Karl-Heinz Weger, 9. Auflage, Verlag Friedrich Pustet, 1975

Mittwoch, November 01, 2006

Im Stillen

O trag' des Lebens Last im stillen;
Nimm ruhig hin, was Gott dir schickt.
O juble nicht, wenn Glück dir lächelt,
Und klag' nicht laut, wenn Leid dich drückt!

In Demut wandle deine Pfade,
Verlang' nicht Gold, begehr' nicht Ruhm!
Ein stilles Haus, umweht von Frieden,
O schätz' es wie ein Heiligtum!

O wand're still durch stille Fluren
Und lenk den Blick auf Blümlein hin!
Wer einsam lebt, der lebt dem Himmel;
Denn freier, reiner ist sein Sinn.

Die Einsamkeit ist jene Stätte,
Wo Gott zu deinem Herzen spricht.
Durch stilles Denken, ernstes Forschen
Empfängst du für dein Inn'res Licht.

In stillen Stunden lenkst du gerne
Das Auge auf dich selbst zurück,
Das eig'ne Herz, das rätselvolle,
Erschließt sich klarer deinem Blick!

Im stillen, wie es Weise lieben,
Erfülle deine Pflicht getreu,
Und trachte, daß ein gut' Gewissen
Dein Lob und schönster Lohn dir sei!

Ist dir je süßes Glück beschieden,
Genieße es verschwiegen, still;
Denn ach, der Neid, er lebt noch immer,
Der Glück und Freud' dir rauben will.

Hat dich ein Freund getäuscht, gekränket,
Und dir verursacht herbes Weh -
O klage nicht es andern Menschen,
Für ihn bei Gott um Gnade fleh'!

Im stillen tue eifrig Gutes,
Dein Wirken sei wie milder Tau,
Der niederfließt in stillen Nächten
Auf Hain und Wald, auf Flur und Au.

Oh, nichts soll dir gering erscheinen
Auf deiner stillen Lebensbahn,
Die kleinste Last ist groß und kostbar,
Wenn sie aus Lieb' zu Gott getan.

Und bleibt der Welt dein Werk verborgen,
Getrost! Dem Herrn ist's gut bekannt,
Von Engeln wird es aufgeschrieben
Und wird gezählt im Himmelsland.

Doch staune nicht, wenn für die Tugend
Hienieden dir kein Lohn erblüht;
Und statt des Lobes, statt des Dankes
Die Trübsal dir entgegenzieht.

Denn wisse: Tragen und Entsagen
Ist stets der edlen Menschen Los;
Denn nur im Leiden und im Dulden
Wird eine Seele stark und groß.

Doch wahrhaft groß ist der zu nennen,
Der seinen Schmerz der Welt verschweigt,
Am Fuß des Kreuzes weint und betet,
Die Wunden nur dem Heiland zeigt.

Du weißt ja, daß die Welt, die harte,
Des Schmerzes Träne nicht versteht,
An deinem Leid, an deiner Trauer
Mit trocknem Aug' vorübergeht.

Doch, weil du stillverschwiegen duldest,
Wird auch im stillen Trost dir blüh'n.
O weißt du nicht, daß nach dem Sturme
Der Berge Spitzen gold'ner glühn?

In deiner schweren Oelbergstunde,
Wo deine Seele seufzt und ringt,
Wird stets ein Engel niedersteigen,
Der Tröstung dir und Labsal bringt!

Empor den Blick, betracht' die Sterne
In einer klaren Sommernacht;
Ganz leis erlöschen sie am Himmel,
Wenn still sie ihren Lauf vollbracht.

So möge auch dein irdisch' Leben,
Wenn dir der Ruf ertönt vom Herrn,
Erlöschen hier in Ruh' und Frieden,
Erlöschen wie der Morgenstern!

Die Seele wird sich aufwärts schwingen,
Von Himmelshoffnung sanft umweht:
Denn jene, die sich hier erniedrigt,
Sie werden einmal dort erhöht.

Nihil obstat: J. Desfossez, Libr. Cens.
Imprimatur: Friburgi Helv., 12 Jan. 1945
Ludovicus Waeber, Vicarius Generalis.
Kanisiuswerk, Freiburg/Schweiz

Samstag, Oktober 28, 2006

Die Ausbreitung des Christentums in Rom

Vorausgehend: Der Beginn des Christentums in Rom

Des hl. Apostels Petrus Predigt aus einem Herzen voll lebendigen Glaubens und heißer Liebe zu Jesus hatte in der Hauptstadt der Welt gleichen Erfolg wie zu Jerusalem und Antiochia. Sein Wort fand Eingang selbst bei den höchsten Familien. Flavius Klemens, Bruder des Kaisers Vespasian und römischer Konsul, wurde ein Schüler des hl. Petrus und starb unter Kaiser Domitian für Christus den Martertod. Seine Gemahlin, Domitilla, ebenfalls mit der kaiserlichen Familie der Flavier verwandt, wurde auf die Insel Pandataria verbannt. Eine andere Domitilla, Schwestertochter des Martyrers und Konsuls Flavius Klemens, hatte auf ihrem Landgute an der adreatinischen Straße eine Familiengruft für die Flavier, ihre Verwandten, erbaut, und wurde, weil sie dem Verlangen des Kaisers, sich zu verehelichen, kein Gehör gab, auf die Insel Ponzia verbannt. Diese beiden Domitilla waren Schülerinnen des hl. Petrus. Eine geistliche Tochter des Apostelfürsten war auch die hl. Petronilla, ebenfalls aus dem Geschlechte de Flavier.
Von Tag zu Tag mehrte sich nun der Kreis der Jünger des Apostelfürsten. - Die Besseren unter den Heiden fanden nirgends Befriedigung für ihr Herz. Sie sehnten sich ungemein nach einer festen Lehre, welche ihnen Aufschluß über ihre Bestimmung und über den Zustand nach dem Tode gewähre. Der Götzendienst mit seinen Ausschweifungen eckelte sie an, sie verlangten nach einem Vorbilde menschlicher Tugenden, dem sie nachfolgen konnten, und fanden dies Alles in der Lehre des Gekreuzigten und in seinem und seiner Anhänger Beispiel. Sie bewunderten an den Christen, mit denen sie bekannt wurden, den standhaften Glauben, für den sie sogar zu sterben immer bereit waren, den hohen Adel der Gesinnung, der jedes Gemeine und Niedrige verschmähte; die größte Entsagung, die bereit war, für Gott Alles hinzugeben; die ungeheuchelte Bruderliebe, die auch den ärmsten und elendesten Sklaven umfaßte, die keine Rache, sondern nur Vergebung kannte und selbst dem Feinde und Verfolger noch Gutes tat; eine Demut, die jedes Lob und jeden Ruhm floh, und eine innere Ruhe und Zufriedenheit, die nur in einem reinen Gewissen ihre Wurzel haben konnte.
Durch dieses schöne Beispiel der Christen sahen sich die Heiden zu Dem hingezogen, Der dieses in jenen hervorbrachte, die an Ihn glaubten und treu Seine Lehre befolgten, - zu Jesus, unserm göttlichen Heilande! - Immer größer wurde die Zahl der Christen und so konnte der Apostel Paulus in seinem Briefe an die Römer, den er 58 Jahre nach Christi Geburt schrieb, sagen: "Euer Glaube wird in der ganzen Welt verkündet, und euer Gehorsam ist aller Orten bekannt worden." -
Auch aus den Juden zu Rom war schon eine bedeutende Zahl zum Christentum bekehrt. Diese aber wurden von jenen Juden, die verstockt blieben, sehr beunruhigt und verfolgt; es entstand ein Tumult und Kaiser Claudius ließ 49 n. Chr. alle Juden aus Rom vertreiben. Auch Petrus verließ Rom und kehrte in das Morgenland zurück. - Im Jahre 51 - 52 war er auf dem Konzil zu Jerusalem, welches die Apostel hielten, um die Streitigkeiten zwischen Heiden- und Judenchristen über die Verbindlichkeit des mosaischen Gesetzes zu entscheiden. Nach Beendigung des Konzils hielt sich Petrus noch einige Zeit in Jerusalem, und nachher in Antiochia auf und kehrte dann mit seinem geliebten Jünger Markus nach Rom zurück.
Mit erneutem Eifer verwaltete der hl. Apostel sein heiliges Amt. Ihm zur Seite stand der hl. Markus, der nach dem einstimmigen Zeugnisse des christlichen Altertums auf Bitten der Christen Rom's die Predigten und Vorträge des hl. Apostels über das Leben und die Taten Jesu in seinem Evangelium aufzeichnete. -
Die römische Christengemeinde stand in schönster Blüte, als auch der hl. Apostel Paulus nach Rom kam. Es war schon lange sein Wunsch gewesen, die Christen daselbst zu sehen und ihnen die Schätze der Gaben mitzuteilen, zu deren Ausspender und Diener ihn Gott gemacht hatte. Er hatte gehofft, in aller Freiheit sie zu begrüßen, allein seine Hoffnung ging nicht in Erfüllung. Nach seiner dritten Missionsreise geriet er zu Jerusalem in Gefangenschaft. Um ihn der Wut des aufgereizten jüdischen Pöbels zu entreißen, ward er nach Cäsarea in die Residenz des römischen Prokurators Felix gebracht und hier zwei Jahre (58-60) in Gefangenschaft gehalten. - Bei seiner Ablösung durch Festus ließ Prokurator Felix den Apostel als Gefangenen zurück und da nun Paulus gegen die auf seine Verurteilung dringenden Juden an den Kaiser appellierte, wurde er in Ketten nach Rom abgeführt.
Hier langte er im Frühling des Jahres 61 an. Römische Christen waren ihm entgegengegangen, um ihn zu begrüßen. Zu Rom wurde ihm von dem Befehlshaber der Prätorianer (kaiserliche Leibwache) Burrus Afranus, gestattet, mit den ihn bewachenden Soldaten eine Privatwohnung zu mieten. Er durfte da alle, die ihn besuchten, empfangen, und mit allen über das Heil, welches in Christo Jesu erschienen ist, sprechen, woher es kam, daß seine Gefangenschaft gerade dazu beitrug, daß die Kenntnis der Lehre Jesu in noch weitere Kreise drang, und bei dem Wechsel der Wache haltenden Soldaten der Name Jesu im ganzen Prätorium (das Lager der kaiserlichen Leibwache), ja selbst im Palaste des Kaisers Glauben und Verehrung fand.
Hier in seiner Wohnung besuchte ihn oft der hl. Petrus; hier weilte auch sein Schüler und getreuer Gefährte Lukas; hier schrieb er seine Briefe an die Epheser, Kolosser und Philipper, hier schrieb er auch seinen rührenden Brief an Philemon, einen frommen, angesehenen Bürger zu Kolossä, und bat ihn, er möge seinen Sklaven Onesimus, der ihm entlaufen und nach Rom gekommen war, wo ihn der Apostel bekehrte, wieder aufnehmen und ihm verzeihen. (Apostelgesch. 28, 31 und 32). Hier, obwohl gefangen, predigte er ununterbrochen Juden und Heiden, und seine hinreißende Beredsamkeit und die Gnade des hl. Geists, welche seine Worte begleitete, gewann immer mehr Seelen dem Christentum. Nach zwei Jahren wurde er aus der Gefangenschaft entlassen. Er ging nun nach Spanien und besuchte dann die Christengemeinden zu Ephesus, der er den Timotheus und zu Kreta, der er den Titus als Bischof vorsetzte.
An dem Orte, wo der hl. Apostel gewohnt hatte, steht jetzt die Kirche S. Maria in via lata. - Die ersten Christen errichteten hier ein Oratorium, welches später unter den Ruinen benachbarter Häuser begraben wurde. Gegenwärtig steigt man auf Stufen hinab an den Ort, den Paulus bewohnte. Hier steht ein kleiner Marmoraltar, auf welchem der hl. Papst Gregor der Große (+604) einst das hl. Meßopfer feierte. Im Boden wird ein Brunnen gezeigt, dessen klares Wasser auf das Gebet des Apostels hervorsprudelte, als er den Gefangenenwärter Martialis taufen wollte. In der Kirche selbst, welche sich über dem ehemaligen Oratorium erhebt, befindet sich auf dem Hochaltar das Bild der Gottesmutter, welches der hl. Lukas gemalt haben soll.
Nach Entfernung des Apostels Paulus leitete der hl. Petrus die Kirche Rom's unermüdet mit sorgsamer Treue fort. Seine Tätigkeit beschränkte sich aber nicht bloß auf Rom. Er sandte auch seine Schüler in die verschiedenen Gegenden Italiens, auch nach Gallien, dem heutigen Frankreich, nach Sizilien, Spanien, Afrika usw., um das Evangelium dort zu verkünden und Christengemeinden zu gründen.
Während dieser Zeit hatte der Apostel viele Kämpfe mit Simon dem Zauberer, dem Vater der Ketzer, zu bestehen. Schon früher war der hl. Apostel mit diesem Genossen des Satans in Samaria zusammengetroffen, wo er die Gaben des hl. Geists um Geld kaufen wollte. Petrus aber entgegnete ihm: "Dein Geld wird dir zum Verderben, weil du meintest, die Gabe Gottes zu bekommen um Geld... darum tue Buße über deine Bosheit!" (Apostelgesch. 8, 14-24) Simon aber blieb verstockt, fiel vom Glauben ab, verführte viele Samaritaner und verbreitete gottlose Lehren. Nun war er auch nach Rom gekommen, um Seelen zu verführen. Doch Petrus widerstand ihm auch hier und machte ihn zu Schanden.

Folge: Die erste Christenverfolgung

Dienstag, September 12, 2006

Das Geheimnis des Judenknaben von Krakau

Es war im Jahre 1918.
Der Erste Weltkrieg hatte meine Eltern, wie so viele andere Polen, um ihr ganzes Vermögen gebracht. Ich war deshalb als Student gezwungen, irgendeine bezahlte Beschäftigung zu suchen. Ich hätte sonst nicht weiterstudieren können.
Jemand riet mir, mich einer jüdischen Dame vorzustellen, die einen Privatlehrer für ihren zwölfjährigen Sohn Daniel suche, der sich auf das zweite Gymnasium vorbereiten müsse.
Ich war indes kein Judenfreund. Ich sollte erst später erfahren, daß es viele gute, anständige und sogar wahrhaft fromme Juden gibt.

Die Geschichte des Propheten Jonas

Die jüdische Dame vertraute mir ihren Knaben an, und ich nahm mir vor, meine Pflicht so treu wie möglich zu erfüllen, denn ich hatte von meinem Vater gelernt, alles, was ich tun mußte, gut zu tun. Manchmal kam Daniel zu mir, manchmal fand der Unterricht in seinem Hause statt.
Eines Tages traf ich meinen Schüler in seinem Zimmer mit einem jüdischen Gebetbuche in der Hand.
Ich durchblätterte das Buch. Es war hebräisch geschrieben. Unter jedem Satze aber stand die deutsche Übersetzung. Aus dieser erkannte ich, daß es sich um die biblische Erzählung des Propheten Jonas handle, doch war dieselbe, meiner Ansicht nach, ganz falsch ausgelegt. Etwas unwillig darüber, gab ich Daniel das Buch zurück, indem ich murmelte:
"Das ist ja Betrug!"
Der Junge war sehr erstaunt über meine Bemerkung und frug sogleich:
Warum ist das Betrug? Ist etwa der jüdische Gottesdienst nicht gut? Und wie steht es denn mit dem katholischen Gottesdienst?"
Er überschüttete mich förmlich mit Fragen über die katholische Religion. Vor allem interessierte ihn die Person Jesu Christi.
Durch seine vielen Fragen ermüdet, antwortete ich schließlich beinahe ärgerlich:
"Was kümmert dich denn alles das? Du wirst doch nie ein Christ werden. Studiere lieber, denn dazu komme ich hierher. Du wirst sonst dein Examen nicht bestehen und deine Mutter wird böse auf mich sein!"
Betroffen schwieg der Knabe einige Minuten. Doch es dauerte nicht lange, so bestürmte er mich mit neuen Fragen und ruhte nicht, bis ich ihm das Versprechen gab, ihn einmal in unsere Kathedrale mitzunehmen.
Ich bestimmte für diesen Kirchenbesuch den 7. Mai 1918, den Festtag unseres polnischen Bischofes St. Stanislaus.

Ein Wunder der Gnade

Der Knabe holte mich am abgemachten Tage in meiner Wohnung ab.
Fröhlich plaudernd spazierten wir zum Warvelhügel, auf welchem sich die Kathedrale erhebt. Während des Aufstieges zur Anhöhe machte ich meinen Schüler auf verschiedene Denkmäler aufmerksam und erklärte sie ihm. Im selben Augenblick, als wir die Kathedrale betraten, erklang ein silberhelles Glöcklein. Wahrscheinlich - so dachte ich - wird auf einem der vielen Altäre soeben die heilige Wandlung gefeiert. Ich achtete aber nicht weiter darauf und blieb nach einigen Schritten stehen, überlegend, was ich meinem Schüler zuerst zeigen wolle.
Als ich mich dann nach ihm umwandte, sah ich etwas Merkwürdiges: Daniel, der Judenknabe, kniete auf dem Boden! Sein Gesicht war blaß, seine Augen waren unverwandt auf einen einzigen Punkt gerichtet.
Erschrocken faßte ich ihn an der Schulter und frug: "Daniel, bist du krank?"
Er gab mir aber keine Antwort. Er schien der Welt vollkommen entrückt zu sein.
Sein Antlitz leuchtete in überirdischer Schönheit und seine Lippen flüsterten etwas, als ob er mit einem Unsichtbaren spräche.
Ich näherte mein Ohr seinem Munde, um einige Sätze aufzufangen, aber ich konnte nichts verstehen und weiß heute noch nicht, welche Sprache er damals redete.
Man kann sich meine Verlegenheit vorstellen! Umsomehr, da das eigenartige Benehmen des Buben mehreren Frauen auffiel und eine derselben halblaut bemerkte: "Er ist ein Jude!"
So vergingen einige Minuten. Währenddessen schritt ein Priester an uns vorbei, der in seinen Händen feierlich die hl. Wegzehrung zu einem Kranken trug. Daniel verfolgte, noch immer kniend, den Priester unverwandt mit entzückten Blicken.
Nachdem der Geistliche die Kirche mit dem hochwürdigsten Gute verlassen hatte, stand Daniel ruhig auf und ging, ohne sich um mich zu kümmern, geradewegs zur Seitenkapelle des Stephan Bathory, wo das Allerheiligste aufbewahrt wird. Dabei strahlte sein Antlitz so daß er mich unwillkürlich an ein Bild des hl. Stanislaus Kostka erinnerte. Dort kniete er beim Gitter erneut nieder und betete länger als eine Viertelstunde, die Augen unausgesetzt, wie verklärt, auf den Tabernakel gerichtet.
Ich wagte nicht, ihn zu stören, sondern wartete, bis er zu sich kommen würde. Zuerst beunruhigte mich der Gedanke, ob Daniel vielleicht plötzlich das Opfer einer Sinnesverwirrung sei. Dann aber gewann ich allmählich die feste Überzeugung, Gott der Herr wirke hier ein Wunder der Gnade.

Auf dem Heimweg

Endlich erhob sich Daniel, gab mir ein Zeichen, daß er heimgehen wolle und verließ die Kathedrale sehr gesammelt. Er hatte von allen Kunstwerken und Schönheiten des Domes nichts gesehen, schien aber dennoch voll und ganz befriedigt zu sein.
Auf dem Heimweg suchte ich durch vorsichtiges Fragen zu erfahren, was denn geschehen sei.
Daniel antwortete jedoch ausweichend, begann aber immer wieder aufs neue vom lieben Heiland zu sprechen. Unaufhörlich und mit ungeheurem Nachdruck versicherte er:

"Der Herr Jesus ist sehr schön und gut!"

Sooft er dies sagte, flog eine leichte Röte über sein Antlitz - ein Widerschein inniger Liebe zum göttlichen Erlöser, die in seinem Herzen glühte.
Ich gestehe, daß dieses Erlebnis mich gewaltig packte und meinen damals ziemlich schwachen katholischen Glauben mächtig aufrüttelte. Trotzdem vergaß ich das Vorgefallene bald wieder und dachte, vilelleicht sei alles lediglich eine Einbildung Daniels oder meinerseits gewesen.

Daniel sagt seinen Tod voraus

Ich fuhr fort, wie früher, meinen Schüler zu unterrichten, ohne mein Verhalten ihm gegenüber irgendwie zu ändern. Da erklärte mir Daniel eines Tages offen, daß er katholisch werden möchte.
Eindringlicher als je suchte er die katholischen Glaubenswahrheiten kennenzulernen und stellte mir eine ganze Reihe von Fragen. Zuletzt bat er mich, ich solle ihn taufen.
Da wurde ich ernstlich böse, spottete über sein "kindisches" Verlangen und ermahnte ihn, zu studieren, denn die Zeit der Prüfung nähere sich, und seine Kenntnisse seien noch sehr mangelhaft.
Daniel belieb ruhig und entgegnete mit großer Bestimmtheit, daß er gar keine Prüfungen mehr zu machen habe, da er am 8. September sterben werde. Vorher müsse er aber noch unbedingt die hl. Taufe empfangen.
Spöttisch lachend gab ich zur Antwort:
"Lieber Junge, du wirst länger leben als ich. Und was die Taufe anbelangt, so kannst du ja deine Mutter fragen, was sie dazu meint!"
Ich ließ nicht mehr mit mir reden. Doch alle meine Bemühungen, Daniel im Latein und in andern Fächern rascher voranzubringen, waren vergeblich.
Gegen Ende des Schuljahres erklärte ich daher seiner Mutter ohne Umschweife, daß ich ihn nicht ins Examen schicken werde, daß er auf alle Fälle erst nach den Ferien zur Prüfung fähig sei.
Dann begannen die Sommerferien, in denen ich Daniel nicht mehr sah.
Am 7. September aber, als ich an alles andere als an meinen früheren Schüler dachte, suchte mich dessen jüdische Mutter auf.
Ich meinte, sie wolle mich bitten, den Privatunterricht mit Daniel wieder zu beginnen. Ich empfing sie wenig freundlich. Ja, ich rückte gleich heraus, ich sei nicht geneigt, mich mit ihrem Jungen neuerdings abzuplagen.
Da sagte sie mir, sie komme wegen etwas ganz anderem. Daniel sei krank und habe inniges Verlangen geäußert, mich unbedingt heute noch zu sehen.
In diesem Augenblick fielen mir die Worte des Knaben wieder ein:
"Ich werde am 8. September sterben!"
Sogleich versprach ich der Mutter, seinem Wunsche noch an diesem Abend zu entsprechen.
Ich traf Daniel zwar im Bette an, fand aber nichts Beunruhigendes in seinem Zustande. Daher glaubte ich nicht an seinen baldigen Tod, zumal seine Mutter mir erklärte, der Arzt messe diesem momentanen Unwohlsein keine Bedeutung bei.
Als wir allein waren, schaute mich Daniel mit ernsten Blicken an und sagte, daß ich ihn jetzt unbedingt taufen müsse, weil sein Ende nahe sei. Gleichzeitig versprach er mir, wenn ich seinen Willen tue, werde er mir ein Geheimnis mitteilen.
Ich zögerte und überlegte, was ich machen solle. Daniel flehte mich an.
Ich war immer noch unentschlossen. Aber die Kraft, mit welcher der Junge in mich drang, besiegte schließlich meinen Widerstand. Ich erklärtem mich bereit, ihm die Nottaufe zu spenden unter der Bedingung, daß er sich später in der Kirche zum Nachholen der feierlichen Zeremonien anmelde.
Auch fügte ich hinzu, daß ich mich vor dem Zorne seiner Mutter fürchte, denn sie hatte ja keine Ahnung von seiner katholischen Gesinnung. Daniel versuchte, mir meine Bedenken zu nehmen, indem er versicherte, er werde der Mutter nichts erzählen.
"Außerdem", so meinte er lächelnd, "werde ich ja morgen für immer zu reden aufhören!"
Dann sprang er plötzlich aus dem Bette, ergriff eine volle Wasserflasche und drückte sie mir in die Hand.
Dabei wiederholte er die Bitte, die wie ein von Gott eingegebener Befehl klang:
"Taufen Sie mich! Taufen Sie mich!"
Da goß ich zitternd das Wasser über Daniels Haupt mit den Worten:
"Daniel, ich taufe dich im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes!"
Jetzt war Daniel überglücklich und begann nun, ohne eine diesbezügliche Frage abzuwarten, mir zu erzählen, daß ihm damals in der Kathedrale Jesus erschienen sei. Der liebe Heiland sei überaus schön, freundlich und unbeschreiblich gütig gewesen und habe ihm den Tag seines Todes vorausgesagt mit der Aufforderung, sich vorher taufen zu lassen.
Ich hörte Daniel aufmerksam zu, konnte aber noch immer nicht glauben, daß er am nächsten Tage sterben werde, denn er hatte gar nichts von einem Sterbenden an sich, weder in seinen Bewegungen, noch in seiner Stimme. Beim Abschied versprach ich, anderntags wiederzukommen.
Am 8. September 1918 - Fest Mriä Geburt - abends 5 Uhr starb Daniel.
Als ich am 8. September gegen 5 Uhr abends wiederum das jüdische Haus betrat, traf ich die Mutter in heller Verzweiflung.
Der Arzt war soeben bei ihrem einzigen Kinde gewesen. Er vermochte zwar keine Krankheit festzustellen, aber dessen Puls ging so schwach, daß keine Hoffnung auf Genesung mehr vorhanden war.
Daniel lag friedlich da. Seine Angesicht verriet sein inneres Glück. Er freute sich über mein Kommen und sagte fröhlich:
"Sehen Sie, ich werde jetzt sogleich sterben!"
"Wenn du stirbst", antwortete ich, "wird dich der Heiland unverzüglich zu sich in den Himmel nehmen!"
Bei diesen Worten neigte Daniel sein Haupt zur Seite und hauchte lächelnd seine Seele aus... Auf dem Totenbette glich er wahrhaft einem Heiligen.

(Der Privatlehrer, der so ergreifend dieses wunderbare eucharistische Erlebnis seines Schülers schilderte, änderte sofort nach dessen Tode sein gottloses Leben, wurde ein eifriger Katholik und später sogar ein ausgezeichneter Priester. O unerforschliche Allmacht, Größe und Güte Gottes!)
(Quelle: Jugend-Sendbote des göttlichen Herzens Jesu, November 1929, Feldkirch)

Mittwoch, September 06, 2006

Donnerstag, August 31, 2006

Der Beginn des Christentums in Rom


Es war im Jahre 42 nach Christi Geburt, zur Zeit, als Claudius römischer Kaiser war, da schritt ein Mann der Stadt Rom zu, dem man es ansah, daß er ein Fremder sei. Zu Ostia war er ans Land gestiegen, und nun ermüdet von der Reise setzte er sich beim Schiffstore, Navalia genannt, auf einen Markstein, um einige Zeit auszuruhen. Das Alter hatte bereits in des Mannes Antlitz tiefe Furchen gegraben, sein Haar und Bart waren kraus, seine Augen von Tränen feucht, er war gehüllt in ein blaues Oberkleid und einen gelben Mantel (1) , an seinen Füßen hatte er ärmliche Sandalen gebunden. Sich besinnend, wohin er sich in der großen Stadt wenden solle, schweift sein Blick über die zahllosen Gebäude, die im Glanze der Morgensonne vor ihm lagen. Hoch über die Paläste und den Circus ragte das Kapitol empor, gekrönt mit der Burg und dem Tempel des Jupiter, das größte Heiligtum des heidnischen Roms. Während der Fremdling so sinnend dasitzt, naht sich ihm ein Römer, der ihn schon längere Zeit neugierig betrachtet hatte und knüpft mit ihm folgendes Gespräch an (2) :
Römer. Fremdling! dürfte ich wohl wissen, welches Geschäft dich nach Rom führt; ich wäre wohl im Stande, dir einen Dienst zu erweisen.
Der Fremdling. Ich komme, um hier den unbekannten Gott zu verkünden und seine Verehrung für die der Götter einzuführen.
Der Römer. Wirklich? Sieh' doch, wie ganz neu mir die Sache ist! Ich habe wohl Lust, dies sogleich meinen Freunden zu hinterbringen. Laß uns aber, wenn es dir beliebt, noch ein wenig davon reden. Doch vorerst sage mir, woher du kommst, und was du für ein Landsmann bist?
Der Fremdling. Ich gehöre zu jenen Menschen, die ihr hasset, die ihr verabscheut, und die ihr nur duldet. Meine Landsleute wohnen, wie man mir sagte, nicht weit von hier, ich bin ein Jude!
Der Römer. Aber du bekleidest wohl eine hohe Würde bei deinem Volke?
Der Fremdling. Siehe dort in der Nähe am Ufer des Flusses die armen Fischer. Ich bin von demselben Stande. Ich habe einen guten Teil meines Lebens zugebracht, um in einem See meines Landes Fische zu fangen und Netze zu stricken, um meinen Lebensunterhalt zu gewinnen. Ich habe weder Gold noch Silber.
Der Römer. Und seit wann hast du diesen Stand verlassen? Du hast dich ohne Zweifel dem Studium der Weltweisheit hingegeben, hast die Schulen der Gelehrten besucht und hältst viel auf deren Wissenschaft und Beredsamkeit?
Der Fremdling. Ich bin ohne alle wissenschaftliche Bildung.
Der Römer. Bisher bemerke ich nichts an dir, was deinem Unternehmen, den unbekannten Gott zu verkünden, förderlich sein und seine Verehrung empfehlen könnte.
Der Fremdling. Der Gott, den ich verkünde, hat die schimpflichste Todesart am Kreuze zwischen zwei Missetätern erlitten.
Der Römer. Was willst du aber von diesem unbekannten Gott verkünden?
Der Fremdling. Eine Lehre, welche dem hochmütigen und sinnlichen Menschen Torheit ist und welche alle diese Götzen und ihre Laster, denen diese Stadt Tempel gebaut, vernichtet.
Römer. Wie? Du willst diese Lehre in Rom verkünden und etwa auch in anderen Ländern?
Der Fremdling. In der ganzen Welt.
Der Römer. Und das für lange Zeit?
Der Fremdling. Für ewige Zeiten.
Der Römer. Beim Jupiter! Dein Unternehmen ist kühn und nicht ohne große Gefahr. Ich glaube, du brauchst schon für den Anfang einen Beschützer, um deinen Plan auszuführen. Doch sage mir, wie kannst du dir einbilden, daß du die Kaiser, die Reichen, die Gelehrten zu deinen Freunden zählen wirst?
Der Fremdling. Zu den Reichen werde ich sagen, sie sollen ihrer Schätze zu Gusnten der Armen sich entledigen, die Gelehrten werde ich mit ihrer Wissenschaft unter das Joch des Glaubens beugen, den Kaisern werde ich ihre höchste Priesterwürde abnehmen!
Der Römer. Wie willst du das zuwege bringen? Du kannst leicht einsehen, daß man, statt dir beizustimmen, sich mit aller Macht widersetzen wird!
Der Fremdling. Ich werde den Tod erleiden.
Römer. Das ist in der Tat das Wahrscheinlichste, was du mir sagst. Ich danke dir Fremdling, du hast mich gut unterhalten. Doch sage mir noch, ehe ich hingehe, um meinen Freunden von dir zu erzhählen, wie heißest du?
Der Fremdling. Ich heiße Petrus, zuvor nannte man mich Simon, des Jonas Sohn!
Und wirklich war es Petrus, der geliebte Apostel des Herrn, der zum erstenmal Roms Straßen betrat (3), mit dem Entschlusse, des Satans Reich hier in seinem Mittelpunkte anzugreifen, seine Tempel zu zerstören und auf ihren Trümmern das Zeichen der Erlösung, das Kreuz, aufzurichten.
Er hatte bereits zu Jerusalem und in mehreren Provinzen Kleinasiens Juden und Heiden das Evangelium verkündet und überall Christengemeinden gebildet. In der Stadt Antiochia schlug er zuerst seinen Bischofsstuhl auf (4) . Nach sieben Jahren rastloser Tätigkeit bestimmte er den Evodius als seinen Nachfolger, und schiffte sich dann nach Italien ein. - Rom war das Ziel seiner Reise. Nicht Jerusalem, wo der Gottesmord geschehen, und das starre Judentum mit größter Zähigkeit am Alten hing, während bereits die Tage der Wiedergeburt der Menschheit durch das Christentum begonnen hatten, war von der Vorsehung ausersehen, der Mittelpunkt der großen, Welt umfassenden, christlichen Gesellschaft zu werden, sondern Rom, die Stadt der Welt.
Am Fuße der goldnen Meilensäule (Milliardium aureum) (5) liefen alle Hauptstraßen der Welt zusammen, auf welchen die römischen Legionen hinauszogen, um die Völker der Erde dem römischen Adler zu unterwerfen und auf den nämlichen Straßen sollten die Apostel des Glaubens in alle Welt hinausziehen, um die nämlichen Völker unter das sanfte Joch des Kreuzes zu beugen. Rom war der Herd jeglicher Unsitten, der Mittelpunkt der Laster; das Christentum war aber bestimmt, die verdorbene Welt zu regenerieren und darum war es passend, den Mittelpunkt, von dem die Wiedergeburt ausgehen sollte, an den Ort zu verlegen, wo der Herd des Verderbens sich befand. Rom war endlich die fruchtbae Mutter des scheußlichen Götzendienstes, alle Götzen der unterjochten Völker nahm diese Stadt in sich auf und nötigte sie hinwiederum den unterworfenen Völkern auf. Darum mußte auch von da aus, wo Lüge und Trug in alle Welt ausging, das Licht der Erkenntnis des Einen wahren persönlichen Gottes und die geoffenbarte Wahrheit in die Welt sich ergießen. Daher lenkte denn auch die heilige Vorsehung die Schritte des Apostels Petrus in diese Stadt.
Hier angekommen, wandte er sich zuerst an seine Landsleute, die Juden, welche schon vor der Geburt des Heilandes das rechte Ufer des Tiber oder die Transtiberinische Region bewohnten. Nachdem er viele derselben dem Herrn gewonnen, wandte er sich auch an die Heiden. Der Erste, welcher ihn gastlich in sein Haus aufnahm, war der Senator Pudens, ein edler Römer, welcher am Fuße des esquilinischen Hügels ausgedehnte Besitzungen hatte. Dieser vornehme Bürger wurde von den salbungsvollen Worten des Apostels so ergriffen, daß er mit seiner Mutter Priscilla, seinen Söhnen Timotheus und Novatus und seinen Töchtern Pudentiana und Praxedis dem Götzendienste entsagte und sich taufen ließ. Er errichtete auch in seinem Palaste ein Oratorium für die Feier der heiligen Geheimnisse. Das Haus des Pudens wird das Vorbild eines jeden christlichen Hauses; die Familie wird eine Familie von Heiligen, der Reichtum wird mit den Armen geteilt, die Türe des Hauses steht armen Fremdlingen offen, in den Räumen des Hauses, in welchem heiliger Friede herrscht, vernimmt man nur mehr das Lob Gottes. Dieses Haus bildete mit seinem kleinen Oratorium die erste Kathedralkirche Rom's, wo der heilige Petrus Bischöfe weihte und sie als Glaubensboten aussendete. Hier versammelten sich jene ersten, eifrigen heiligen Christen um das erste Oberhaupt der Kirche, um den hl. Petrus, der hier lehrte, taufte, die heiligen Geheimnisse feierte und ausspendete. Hier weilte später mit dem hl. Petrus auch der hl. Paulus. Hier begruben die hl. Töchter des Hauses Pudentiana und Praxedis 3000 Leiber der Martyrer, die sie zur Zeit der blutigen Verfolgung mit ihren Gehilfen auf den Richtstätten aufsuchten und deren Blut sie mit Schwämmen sammelten und hieher brachten. Heir in diesem Hause übten die Nachfolger des hl. Petrus, die ersten hl. Päpste, ihr heiliges Amt aus. Hier feierte Pius I. (142 n. Chr.) die hl. Geheimnisse, hier taufte er Viele, und dieses Haus des Pudens war es, welches derselbe Papst auf Bitten der hl. Praxedis, nach dem Tode ihres Vaters und ihrer Geschwister, zu einer förmlichen Kirche einweihte, der er seinen Bruder, den hl. Pastor als Priester vorsetzte, woher sie auch den Namen (Titel) des Pastors erhielt, bis der Name S. Pudenziana bleibend wurde.

Altar aus St. Pudenziana, in dem der Tisch des hl. Petrus eingeschlossen ist.


Das alte Oratorium wurde 1803 niedergerissen und an seine Stelle eine prachtvolle Kapelle gebaut. Bei dieser Gelegenheit fand man fünf hl. Leiber mit einem vom Blute geröteten Schwamme. Links vom Hochaltar ist die Kapelle und der Altar, nach der Überlieferung an der Stelle, wo der hl. Petrus das hl. Opfer darbrachte (siehe Abbildung). Ein Teil des Tisches, der dem Apsotel zum Altare diente, ist in demselben eingeschlossen, den anderen Teil ließ Papst Sylvester in die Kirche des Laterans übertragen.

(1) In solcher Gestalt und Kleidung stellen den Apostel Petrus seit Jahrhunderten die Maler dar.
(2) Nach Gerbet: Skizze des christlichen Roms
(3) Daß Petrus um diese Zeit die Kirche Roms gegründet, ist eine unleugbare geschichtliche Tatsache. Als Paulus seinen Brief an die Römer schrieb, fand sich dort schon eine wohlgeordnete Christengemeinde, "deren Glaube in der ganzen Welt verkündet wird, deren Gehorsam der ganzen Welt bekannt ist." Wer hat nun diese Christengemeinde gestiftet? Niemand anderer als Petrus. Die allgemeine und besondere Überlieferung nennt ihn als Stifter und ersten Ordner dieser Kirche. Petrus selbst bezeugt es in seinem ersten Briefe, welchen er von Babylon aus schrieb, unter Babylon verstand aber die alte Kirche immer Rom, wie der Apostelschüler Papias bezeugt. Dionysius von Korinth und Irenäus bezeichnen schon im zweiten Jahrhundert Petrus, der den Grund der römischen Gemeinde gelegt hat, und der Martyer Ignatius, ein Schüler des Apostels Johannes, nennt deshalb die römische Kirche: "Vorsteherin des Liebesbundes". Übrigens stößt man in Rom sowohl über als unter der Erde fast bei jedem Schritt auf Petrus, das Haupt der Kirche. In Rom lehrte er, in Rom taufte, in Rom regierte er und starb er am Kreuze wie sein göttlicher Meister. Dies bezeugt das einstimmige Zeugnis der ganzen alten Kirche. Nie hat eine andere Stadt außer Rom jemals den Anspruch erhoben, daß in ihr dieser heilige Apostel gestorben sei. "Ich kann", schreibt ein römischer Christ, Cajus, um das Jahr 200, "auf dem Vatikan und auf dem Wege nach Ostia die Denkmäler der Apostel (Petrus und Paulus) zeigen, welche diese Kirche gegründet haben." Merkwürdig ist auch, jdaß alle Ketzer des Morgen- und Abendlandes zwar sich gegen die Lehre der Kirche Rom's empört, aber nie geleugnet haben, daß Petrus diese Kirche gegründet hat.)
(4) Das Andenken daran feiert die Kirche alljährlich am 22. Februar unter dem Namen "Petri Stuhlfeier"
(5) Auf dieser Säule war die Entfernung der Stadt von allen Endpunkten der römischen Straßen verzeichnet.

Folge: Die Ausbreitung des Christentums in Rom

Samstag, August 12, 2006

Oratio ad renovandam Ordinationis gratiam

Jesu dilectissime, qui ex singulari benevolentia me prae millenis hominibus ad Tui sequelam et ad eximiam Sacerdotii dignitatem vocasti, largire mihi, precor, opem tuam divinam ad officia mea rite obeunda. Oro Te, Domine Jesu, ut resuscites hodie et semper in me gratiam tuam, quae fuit in me per impositionem manuum episcopalium. O potentissime animarum Medice, sana me taliter, ne revolvar in vitia et cuncta peccata fugiam, Tibique usque ad mortem ita placere possim. Amen.

(Indulgentia 300 dierum, semel in die. Leo XIII., 14. Augusti 1884.)

Bone Jesu, rogo Te per dilectionem, qua diligis Matrem tuam, et sicut vere Eam diligis et diligi vis, ita mihi des ut vere Eam diligam.

(Indulgentia 100 dierum, semel in die. Leo XIII., 14. Aug. 1884.)